Höhenrettung bei der Berufsfeuerwehr

Höhenrettung bei der Berufsfeuerwehr

Mit Schweiß auf der Stirn und Schmerz in den Armen bin ich oben angekommen. Hinter mir liegen fast 70 Meter Sprossenleiter, zehn Minuten klettern, auf dem Rücken ein Sack mit rund 80 Metern Seil, das Ziel stets vor Augen, der Maschinenraum einer Windkraftanlage. Ich bin nun wahrlich nicht der untrainierteste, aber wenn man knapp 70 Meter klettern an einer steilen Leiter nicht gewohnt ist, dann spürt man seine Arme am Ende des Weges doch recht deutlich. Doch warum diese Strapazen? Grund für den außergewöhnlichen Ausflug war eine Reportage über die Ausbildung von fünf neuen Höhenrettern der Flensburger Berufsfeuerwehr.

Hoch oben auf der Windkraftanlage 

Seit 2002 gibt es in Flensburg eine Höheneinsatzgruppe, damit ist die Flensburger Wehr eine von wenigen im Land, die über speziell für Einsätze in großen Höhen ausgebildetes Fachpersonal verfügt. Zu den Einsatzgebieten der Höhenretter gehören unter anderem die Rettung von Personen oder Tieren aus großen Höhen, die Absturzsicherung von Einsatzkräften, die Personenrettung aus schwer zugänglichen Gebäuden (Windkraftanlagen, Silos, Baukräne, Brücken etc.), die Sicherung und Rettung von Personen mit suizidalen Absichten oder auch die Rettung von abgestürzten Personen aus Höhen und Tiefen. Von den etwa 80 Feuerwehrkameraden waren bislang 13 ausgebildete Höhenretter, im April sollten nun fünf hinzukommen. Tjerk, Immo, Jörn, Dennis und Krispin wurden eine Woche lang in Theorie und Praxis ausgebildet. Neben Übungen auf dem Feuerwehrgelände ging es unter anderem auf das Dach des Flensburger Rathauses und auch auf und in eine Windkraftanlage in Dollerup (Kreis Schleswig-Flensburg).

Unter der Leitung der Ausbilder Thorsten und Stefan ging es voll gepackt mit Ausrüstung hinauf auf die Dolleruper Windkraftanlage. Trainiert werden sollte das Abseilen aus dem Maschinenraum der Anlage. Im Ernstfall, wenn zum Beispiel bei einem Monteur in 70 Metern Höhe ein medizinischer Notfall auftritt, wäre dies der einfachste Weg den Patienten wieder auf sicheren Boden zu bringen. Trainiert wurde aber auch das Abseilen eines Patienten durch den Turm entlang der Leiter, denn im Ernstfall kann sich ein medizinischer Notfall zum Beispiel auch auf halber Höhe der Anlage ereignen. Mit Seilen und speziellen Ausrüstungsgegenständen wird eine Konstruktion im Turm angebracht mit der Höhenretter und Patient sicher abgeseilt werden können.

Seil statt Leiter für den Rückweg

Es ist eng und vor allem extrem warm im Maschinenraum, neben Ausbilder Thorsten bin ich der zweite der oben angekommen ist. Zwanzig Minuten später sind auch die übrigen Feuerwehrmänner oben angekommen, zu meiner Beruhigung waren auch sie ganz schön aus der Puste. Eine Luke im Boden wird der Ausstiegspunkt werden, doch zunächst müssen Sicherungs- und Halteseile an stabilen Punkten angebracht werden. Vier der fünf zukünftigen Höhenretter seilen sich einzeln und alleine ab, Tjerk, der fünfte im Bunde hat das große Los gezogen, er durfte mich samt Kamera mit hinunter nehmen. Bei mir lag zwar kein medizinischer Notfall vor, aber erschien mir der Weg außen an der Anlage hinab doch wesentlich entspannter, als die Leiter wieder hinabzusteigen. Etwas mulmig war mir schon, als ich mich von der Kante der Luke in 70 Metern Höhe ins Seil fallen lassen sollte, doch ich war mir recht schnell sicher, dass alles gut gehen wird, denn ein Verlust eines Pressefotografen macht sich im Lebenslauf eines Feuerwehrmannes sicher nicht so gut. Drei Minuten später hatte ich wieder sicheren Boden unter den Füßen. Ein tolles Erlebnis, an dieser Stelle noch einmal vielen Dank an alle Beteiligten!

Am Ende der Woche konnten sich dann fünf weitere Kameraden der Berufsfeuerwehr “ausgebildeter Höhenretter” nennen. Und eines ist sicher, es gibt sicherlich wesentlich unspektakulärere Arbeitsplätze in unserer Fördestadt.

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