Fotograf an Unfallstellen

Fotograf an Unfallstellen

Einsatz mitten in der Nacht – Verkehrsunfall

Es ist 2.33 Uhr mitten in der Nacht, das Handy klingelt. Im Halbschlaf geh ich ran, am anderen Ende ein Kamerad der freiwilligen Feuerwehr. Es fallen nur wenige Worte, schwerer Unfall, mehrere Verletzte, mindestens eine Person soll noch in einem Fahrzeug eingeklemmt sein. Nun ist für mich Schluss mit der Nachtruhe, schnell angezogen, Handy und Autoschlüssel gegriffen und hinaus aus der Wohnung. Auf dem Weg zum Auto wird schon schnell der mir mitgeteilte Unfallort in die Navigationssoftware im Handy getippt und dann geht es los.

Was wie das Szenario eines Feuerwehrmanns oder Rettungssanitäters klingt, ist aber auch das eines Pressefotografen, der sich auf sogenannte “Blaulicht-News” spezialisiert hat. Seit zwei Jahren fahre ich zu Verkehrsunfällen und biete im Anschluss Bild und Text, bei größeren Ereignissen auch Videos, den unterschiedlichsten Medien an.

Die Anfahrt zur Unfallstelle

Auf dem Weg zum Unfallort macht man sich so seine Gedanken, habe ich die richtigen Infos bezüglich des Einsatzortes erhalten, was würde mich da wohl erwarten, wie schwer würden die Insassen der Fahrzeuge wohl verletzt sein oder gibt es gar Tote? Auch beim hundertsten Unfall schwirren einem diese Fragen noch im Kopf herum. Vor Ort angekommen ist dies alles dann zunächst unwichtig, an der Straßensperrung wird der Presseausweis vorgezeigt, ich fahre bis zur Unfallstelle vor, parke ohne Rettungskräfte zu behindern am Straßenrand, packe meine Ausrüstung aus und beginne mit dem Fotografieren.

Bei dieser Art von Pressefotos bewegt man sich immer auf einem schmalen Grad, je nachdem welches Bild sich vor Ort bietet, muss entschieden werden wie nah ich herangehe, was ich fotografiere und wo die Grenze erreicht ist. Die Grenze zwischen dem berechtigten öffentlichen Interesse an diesen Bildern und den Persönlichkeitsrechten der Betroffenen bzw. der Pietät. Ich für mich habe entschieden keine Nahaufnahmen von Verletzten und Toten anzufertigen, hier oben in Deutschlands Norden gibt es auch eine Art Kodex der Medien, dass solche Bilder auch nicht angefragt und veröffentlicht werden. In Hamburg sieht das schon wieder anders aus, dort entstehen nicht selten Nahaufnahmen von Verletzten, die durchaus auch in den Medien veröffentlicht werden.

Ansprechpartner gesucht

Nach den ersten Fotos an der Unfallstelle suche ich mir einen Ansprechpartner, der mir nähere Informationen gibt, meist ein Polizeibeamter oder der Einsatzleiter der Feuerwehr, sofern diese vor Ort ist. Sind die Verletzten aus dem PKW befreit und medizinisch versorgt, so ist auch Zeit für diese Auskünfte. Für einen Text zum jeweiligen Verkehrsunfall sind vor allem Informationen wie Unfallhergang, Anzahl der Verletzten, schwere der Verletzung und das Alter der Insassen wichtig.

Auf diese Informationen hat die Presse in Deutschland ein gesetzlich festgelegtes Recht, dennoch kommt es ab und an mal vor, dass Angehörige oder Unfallbeteiligte an Einsatzstellen den Medienvertretern ihre Arbeit untersagen wollen. Ein Verweis auf einen der vor Ort anwesenden Polizeibeamten klärt dieses Missverständnis meist schnell auf. Ich persönlich werde auch häufig gefragt, wie ich denn so etwas nur fotografieren könne und mit dem Leid anderer Geld verdienen könnte. Ich versuche dann immer zu erklären, dass ich an dem Ereignis an sich nichts mehr ändern kann, es auch nicht verhindern konnte, dass die Öffentlichkeit ein Recht auf diese Nachrichten hat, Berichte von Unfällen vielleicht auch eine abschreckende Wirkung haben und hinzu kommt auch, dass wenn ich es nicht mache, macht es halt jemand anders. Presseberichte von Verkehrsunfällen gehören seit Jahrzehnten zum Inhalt von Print- und Onlinemedien, sowie dem Hörfunk und dem Fernsehen. Und interessanterweise zählen diese Berichte zu den meistgelesenen und meist angeklicktesten Artikeln.

Die Rückfahrt

Habe ich alle Bilder am Unfallort zusammen, alle notwendigen Informationen notiert, dann ist die Arbeit vor Ort getan. Auf dem Rückweg nach Hause gehe ich alles in Gedanken noch einmal durch, habe meinen Text bei Ankunft meist schon gedanklich fertig und überlege welchen Medien ich Bild- und Text anbiete. Dies ist von Faktoren wie schwere des Unfalls, Ort des Unfalls und Art des Unfalls abhängig, also ob ich nur regional oder überregional anbieten werde.

Wieder zu Hause angekommen, es ist mittlerweile fünf Uhr morgens werden die Bilder auf den Rechner geladen, Motive ausgewählt und gesendet. Danach geht es zurück ins Bett, am Anfang dieser Tätigkeit fiel es mitunter schwer wieder einzuschlafen, im Kopf schwirrten die Gedanken an den Unfall umher, mittlerweile ist der Unfall (in den meisten Fällen) mit dem Ausschalten des Computers fürs Erste abgehakt. Bei besonders schweren Unfällen ist dies aber nicht ganz so leicht, aber man lernt damit umzugehen und darf das Gesehene auch nicht zu nah an sich heranlassen. Dieser Job liegt aber mit Sicherheit nicht jedem, aktuell reizt mich die Arbeit jedoch sehr, kein Einsatz ist wie der andere und man ist 24h am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr im Dienst (mit ein paar wenigen Ausnahmen)!

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